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Sehenswürdigkeiten: Reichstag  
 

Das Reichstagsgebäude (Reichstag) ist ein Gebäude im Berliner Bezirk Mitte, Ortsteil Tiergarten, in dem erst der Reichstag des deutschen Kaiserreichs und später das Parlament der Weimarer Republik untergebracht waren. Seit 1994 findet dort alle fünf Jahre die Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten statt und seit 1999 ist es Sitz des Deutschen Bundestages.

Die künstlerische Ausgestaltung war mit der Schlusssteinlegung 1894 noch nicht abgeschlossen. Sie war vor allem darauf angelegt, die 1871 hergestellte Einheit des Reiches auszudrücken – die Vereinigung der deutschen Bundesländer unter Führung des preußischen Königs als Deutschen Kaiser. Das Reichswappen im Giebel über dem Haupteingang und die Kaiserkrone auf der Kuppelspitze symbolisierten das erreichte Ziel, ebenso eine Germaniagruppe von Reinhold Begas über der Spitze des Hauptportals. Andererseits wurde an vielen Stellen darauf Bezug genommen, dass das Deutsche Reich sich aus seinen Ländern zusammensetzte – etwa mit den Wappen der Deutschen Bundesländer, der Deutschen Königreiche und bedeutender deutscher Städte, auch mit den personifizierten Flüssen Rhein und Weichsel. Dazu kamen zeitgemäß bevorzugte Motive wie die 16 Figuren auf den Ecktürmen: „Kunst“, „Wissenschaft“, „Erziehung“, „Volksernährung“ usw. Um auch selbst dem Gedanken der Reichseinheit Rechnung zu tragen – und um regionale Eifersüchteleien möglichst zu vermeiden - , war der Architekt bei der Auswahl der Künstler für das dekorative Programm darauf bedacht, Mitarbeiter aus allen Landesteilen Deutschlands heranzuziehen.

Mit einem Text, den Wallot bestimmt hatte, sollte das Gebäude „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ gewidmet werden. Allgemein wurde erwartet, dass die Inschrift bis zur Einweihung über dem Westportal angebracht sein werde. Die vorgesehene Stelle blieb jedoch mehr als 20 Jahre lang leer. Seither wird vermutet, der Kaiser selbst habe seinen Einfluss geltend gemacht, um die Inschrift zu verhindern. Eindeutige Beweise gibt es dafür nicht. Erst zu Weihnachten 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde das Versäumte nachgeholt. In der Literatur werden dafür wahlweise zwei Hauptmotive genannt: die SPD hatte den Kriegskrediten zugestimmt, der Kaiser wollte sich „versöhnt“ zeigen; oder: die Stimmung der kriegsmüden Bevölkerung war düster und sollte durch eine geeignete Geste aufgehellt werden. Der Architekt und Industriedesigner Peter Behrens gestaltete den Schriftzug aus dem seinerzeit beliebten Schriftcharakter der Unziale. Zwei erbeutete Kanonen aus den Befreiungskriegen 1813–1815 wurden für die Herstellung der 60 cm hohen Buchstaben eingeschmolzen.

Die nachträglich konzipierte Kuppel hat sich zur vielbesuchten Attraktion und zu einem Wahrzeichen Berlins entwickelt. Besucher können das Gebäude durch das Westportal betreten. Nach einer Sicherheitskontrolle gelangen sie mit zwei Fahrstühlen zunächst auf das 24 Meter hoch gelegene, begehbare Dach. Die dort aufgelagerte Kuppel misst 38 Meter im Durchmesser, hat eine Höhe von 23,5 Meter und wiegt 1200 Tonnen. Ihr Stahlskelett besteht aus 24 senkrechten Rippen im Abstand von 15 Grad und 17 waagerechten Ringen mit einem Abstand von 1,65 Meter, verkleidet mit 3000 Quadratmeter Glas. An der Innenseite winden sich zwei um 180 Grad versetzte spiralförmige ungefähr 1,8 Meter breite Rampen von jeweils 230 Meter Länge hinauf zu einer Aussichtsplattform 40 Meter über Bodenniveau – beziehungsweise wieder hinunter zur Dachterrasse. Die Scheitelhöhe der Kuppel liegt bei 47 Meter über dem Boden – deutlich niedriger als bei Paul Wallot. Täglich werden im Durchschnitt 8000 Besucher gezählt.

Das Reichstagsgebäude ist der wichtigste Komplex im Gesamtkonzept für die künstlerische Ausgestaltung der Bauten des Deutschen Bundestages im Berliner Spreebogen. Der Kunstbeirat des Parlaments entschied über Vorschläge, die von externen Sachverständigen erarbeitet worden waren. Eine auf das Gebäude bezogene Arbeit war schon vorhanden und sollte nach dem Umbau übernommen werden. 18 weitere Künstler wurden eingeladen, neue Werke für den Reichstag zu schaffen, unter ihnen, in Hinblick auf den ehemaligen Viermächtestatus Berlins, Kunstschaffende aus England (Norman Foster als Architekt), Frankreich (Christian Boltanski), Russland (Grisha Bruskin) und den USA (Jenny Holzer). Ebenso wie die deutschen Künstler von internationalem Rang waren sie aufgefordert, mit ihren Werken zu dem geschichtsbeladenen Ort Stellung zu nehmen. Zusammen mit einer Reihe von Ankäufen und Leihgaben entstand so im Reichstag eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst. Insgesamt sind nahezu 30 Künstler mit ihren Arbeiten vertreten.

Bis zum Juni 2006 haben insgesamt mehr als 18 Millionen Menschen den Reichstag besucht, um die Kuppel zu ersteigen, Debatten zu verfolgen oder sich durch das Haus führen zu lassen.

Adresse:

Platz der Republik1, 10557 Berlin – Mitte

Anfahrt:

S-Bahn: S Unter den Linden: S1, S2, S25

Bus: Reichstag/Bundestag: 100, M41
S Unter den Linden: TXL

 

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